Biersommeliere und die Frage des Geschmacks

BierverkostungDie Deutschen trinken immer weniger Bier. Doch woran liegt das? Vielleicht am Geschmack, wie der Glaabsbräu-Chef Robert Glaab im Interview mit dem FAZ-online-Blog "Reinheitsgebot" äußerte. Demnach sind Biere auf dem Markt Massenprodukte, die sich nicht mehr unterscheiden. Weder vom Geschmack, noch vom Aussehen, noch vom Geruch. Und Glaab muss es wissen. Er ist Biersommelier und wurde dazu ausgebildet, sich mit dem Geschmack von Bier auszukennen. Aber wie hat man sich so eine "Ausbildung" vorzustellen?

Was man aus der Welt des Weines schon seit Jahrhunderten kennt, ist in Bezug auf das Bier noch eine recht junge Erscheinung. Auch wenn es schon immer Leute gegeben hat, die sich für die geschmacklichen Spielarten von Bier interessiert und sich mit der Harmonie zwischen Bier und anderen Speisen beschäftigt haben, gibt es eine "offizielle" Ausbildung zum Biersommelier erst seit dem Jahr 2004.

Konkrete Formen hatte die Biersommelierausbildung bereits zwei Jahre zuvor angenommen. Damals entwickelten der Braumeister Axel Kiesbye und Johann Pessl, Weinsommelier und Schulleiter einer Tourismusschule, ein Konzept für eine Biersommelierausbildung. Anschließend nahmen sie Kontakt zur Doemens Akademie und Wolfgang Stempfl auf. Gemeinsam wurden dann die konkreten Schulungsinhalte ausgearbeitet und das Projekt im April 2004 mit dem ersten Kurs gestartet.

In einem zweiwöchigen Intensivkurs sollen die Teilnehmer "intensive Kenntnisse über die Vielfalt des Bieres von der Herstellung bis zur Verkostung und Vermarktung" erwerben. Von historischen Bezügen über technische Aspekte wie die Technologie Bierherstellung oder den Aufbau einer Schankanlage, von allgemeinen Themen wie "Bier und Gesundheit" über spezifische Bereiche wie die Zubereitung eines Biercocktails wird den Teilnehmern jede Menge Wissen aus dem Bier-Kosmos vermittelt. Das Herzstück dabei ist wohl die Verkosterschulung, in der die angehenden Sommeliere sensorisch geschult werden sollen, um Biere erkennen und beschreiben zu können. Vertreter der "bierorientierten Gastronomie" sollen sich davon ebenso angesprochen fühlen wie Brauereifachleute oder Lehrkräfte im Bereich Hotel, Tourismus – sowie natürlich ganz allgemein auch Bierkenner, Bierfreunde und Bierliebhaber. Und sie taten es, tun es noch immer.

Mittlerweile finden jährlich bis zu zehn Kurse statt und als Schirmherren stehen der Verband der Privaten Brauereien Deutschlands e.V.,der Bayerische Brauerbund e.V., der Verband der Brauereien Österreichs und der Schweizer Brauerei-Verband der Ausbildung vor. Zudem ist das Angebot nicht mehr lokal auf die Doemens Akademie in Deutschland und das Kiesbye's Bierkulturhaus in Österreich beschränkt. Es wurden bereits Kurse in Italien, Brasilien und den USA abgehalten.

Alle zwei Jahre wird zudem eine Weltmeisterschaft der Biersommeliere abgehalten. Aktueller Weltmeister ist Stephan Hilbrandt. Der Deutsche sicherte sich den Titel bei der 5. Weltmeisterschaft der Sommeliers für Bier im September 2017. Dabei setzte er sich gegen 69 Teilnehmer aus 15 Nationen durch.

Wenn also auch weniger Bier getrunken wird: Das Niveau, auf dem sich über Bier ausgetauscht wird, steigt. Doch der Trend zum Sommelier macht beim Bier nicht Halt. Ob Fischsommelier, Brotsommelier oder Wassersommelier – in vielen kulinarischen Bereichen wächst das Interesse an einem professionellen Austausch über die geschmacklichen Eigenschaften der Produkte. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der blühenden Craft-Bier-Szene wieder, in der ein Wandel von Quantität zu Qualität vollzogen werden soll. Und wer weiß, vielleicht bringt die so gesteigerte Qualität auch die Quantität zurück.